Zwangserkrankungen

Ca. zwei Prozent der Bevölkerung leidet unter Zwangserkrankungen, nach Depressionen, Ängsten und Süchten ist sie die vierthäufigste psychische Krankheit. Dennoch weiß man nicht sehr viel über das Krankheitsbild, zudem wird es oft falsch diagnostiziert. Das führt dazu, dass viele Betroffene gar nicht wissen, dass Sie an einer solchen Erkrankung leiden und oft jahrelange Leidenswege ohne korrekte Behandlung hinter sich haben.

Häufig leiden Erkrankte unter Wasch- oder Kontrollzwängen: Ist der Herd wirklich ausgeschaltet und sind die Fenster geschlossen? Die Kontrollzwänge resultieren oft auch aus einer großen Angst heraus, andere zu verletzen. So gibt es Patienten, die ihren Arbeitsweg nicht mehr bewältigen können, da sie Angst haben, jemandem aus Versehen zu überfahren. Die Strecke wird dann immer wieder abgefahren und kontrolliert, damit nicht vermeintlich Verletzte hilflos am Straßenrand liegen bleiben.
In den meisten Fällen sind diese Menschen besonders perfektionistisch oder verantwortungsbewusst, sie möchten alles richtig machen und haben Angst, für ein großes Unglück verantwortlich zu sein. Das kann sogar so weit gehen, dass die Betroffenen zwischen Zwangsgedanken, Befürchtungen und Realität nicht mehr unterscheiden können.

Behandlungsmöglichkeit

Zunächst muss der Patient einsehen, dass sein zwanghaftes Verhalten nicht normal ist und von allein vermutlich nicht mehr verschwinden wird. Um die eigene Situation besser zu verstehen, kann es hilfreich sein, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft vielen Patienten ein großes Stück weiter. Sie merken, dass Sie mit ihren Verhaltensweisen nicht allein sind.

Medikamente helfen über eine akute Situation hinweg. Langfristig gesehen kann den Erkrankten aber nur mit einer Verhaltenstherapie geholfen werden.
Als besonders wirksam hat sich dabei die sogenannte „Exposition“ erwiesen. Dabei wird der Patient direkt mit dem Auslöser seines Zwanges konfrontiert – hierbei kann vorsichtig stufenweise, aber auch rasch konfrontativ vorgegangen werden. Ein Betroffener, der beispielsweise an einem Waschzwang leidet, muss z. B. in der U-Bahn sitzen und Haltegriffe anfassen, ohne dass eine schnelle Reinigungsmöglichkeit in Aussicht gestellt wird. Die unangenehmen Gefühle, die dabei auftreten, muss er aushalten. Schritt für Schritt lernt der Patient so, dass die emotionalen Reaktionen auf die Situation zunehmend schwächer werden - bis er die Situation schließlich auch ohne Zwangshandlung bewältigen kann.

Die Therapie kann mitunter einige Jahre dauern, doch das ist angesichts des großen Leidensdrucks, dem die Betroffenen ausgesetzt sind, immer die Mühe und Geduld wert.